, René Maeder

Hōjicha: Ist Braun das neue Grün?

Geröstet statt grasig: Hōjicha zeigt eine warme, zugängliche Seite des japanischen Tees. Am Tag des Tees lässt sich diese besondere Stilistik auch direkt in der Tasse entdecken.

Hōjicha (ほうじ茶) wirkt zunächst fast wie ein Gegenentwurf zu dem, was viele mit japanischem Grüntee verbinden. Statt leuchtendem Grün und frischer Herbe prägen hier Röstnoten das Bild: warme Aromen, die an Nüsse, Holz oder Karamell erinnern. Dazu kommt eine weiche, ruhige Tasse mit vergleichsweise wenig Koffein. Gerade das macht Hōjicha für viele so zugänglich.

Der Unterschied liegt in der Verarbeitung. Während klassische Grüntees wie Sencha oder Matcha nach der Ernte gedämpft werden, wird Hōjicha zusätzlich geröstet. Oft dient dafür Bancha oder Kukicha als Ausgangsbasis – also spätere Pflückungen oder auch Stängel der Teepflanze. Was einfacher klingt, ist sensorisch oft besonders spannend: Durch die Röstung treten herbe, grasige Noten in den Hintergrund, während Wärme, Tiefe und Sanftheit entstehen.

Vielleicht liegt genau darin seine wachsende Beliebtheit. Hōjicha ist eigenständig, aber nicht schwierig. Er spricht auch Menschen an, die mit sehr grünen, vegetalen oder bitteren Tees weniger anfangen können. Wer bei japanischem Tee zuerst an Intensität, Umami oder eine gewisse Strenge denkt, entdeckt hier eine ganz andere Seite: ruhiger, runder und oft erstaunlich alltagstauglich.

Dazu kommt, dass Hōjicha gut in eine Zeit passt, in der nicht alles maximal intensiv sein muss. Nicht jeder sucht ständig den nächsten Koffeinkick oder die grünste, kräftigste Tasse. Hōjicha steht eher für Balance als für Überreizung. Gerade am späteren Nachmittag oder am Abend ist das für viele ein überzeugendes Argument.

Für den Teeclub Schweiz ist Hōjicha in diesem Jahr deshalb mehr als nur ein Thema auf dem Papier. Am Tag des Tees schenken wir Hōjicha aus. Und auch kulinarisch wird seine geröstete, warme Aromatik aufgegriffen: Sara Hochuli von Café Miyuko und Laura Schälchli von laflor haben dazu eine Hojicha-Schokolade entwickelt, die an diesem Tag ebenfalls präsent sein wird.

Dass Hōjicha heute auch ausserhalb Japans mehr Aufmerksamkeit erhält, überrascht deshalb nicht. Er verbindet Tradition mit einer Stilistik, die viele unmittelbar anspricht. Vielleicht ist er nicht der lauteste japanische Tee. Aber gerade darin liegt seine Stärke.

Dieser Beitrag fasst zentrale Gedanken aus dem Artikel „Hojicha: Die Röst-Rebellion gegen das grüne Diktat“ von swyytr zusammen und ergänzt sie um den aktuellen Bezug zum Teeclub Schweiz.